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Manchmal gibt es mehr als nur eine medizinisch sinnvolle Behandlung. Ein Beispiel dafür ist die Diagnose Kreuzbandriss. Operieren oder mit Physiotherapie behandeln? Beides ist möglich, beides hat Vor- und Nachteile. Welche Behandlung für Sie die beste ist, hängt auch von Ihren persönlichen Bedürfnissen, Zielen und Prioritäten ab. 

Die gemeinsame Entscheidungsfindung, auch Shared Decision Making (SDM) genannt, gilt als Goldstandard in der medizinischen Beratung. Und sie gehört längst zu guter medizinischer Praxis: Schon seit 2013 schreibt das Patientenrechtegesetz vor, dass Ärztinnen und Ärzte umfassend über Behandlungsmöglichkeiten informieren und Entscheidungen gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten treffen sollen. 

Eine Frau im weißen Kittel deutet auf ein Klemmbrett, neben ihr steht eine weitere Frau.

Shared Decision Making bedeutet, dass Sie medizinische Entscheidungen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt treffen. Dabei bringen beide Seiten ihr Wissen ein: 

  • Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berät Sie verständlich über alle Behandlungsmöglichkeiten, die in Ihrer Situation infrage kommen.
  • Sie selbst wissen, was Ihnen wichtig ist, und bringen Ihre Wünsche, Vorstellungen und persönlichen Lebensumstände ein.  

Bei SDM geht es darum, auch Ihre persönlichen Prioritäten einzubeziehen: Familie, Beruf, Freizeit oder bestimmte Bedürfnisse. Keine Sorge: Sie treffen die Wahl nicht allein, sondern werden so unterstützt, dass Sie sich sicher in der Entscheidung fühlen können. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie dabei, Informationen zu verstehen, Fragen zu klären und Möglichkeiten abzuwägen. Ziel ist die informierte Entscheidung für eine Behandlung, die medizinisch sinnvoll ist und gut zu Ihrem Leben passt.

SDM – gemeinsam besser entscheiden 

Grafik, die die Forderungen von Patientin und Ärztin gegenüberstellt.

Patientin
Was ist mir wichtig?

Grafik, die die Forderungen von Patientin und Ärztin gegenüberstellt.

Ärztin
Was ist medizinisch sinnvoll?

Drei Fragen können Ihnen nachweislich helfen, im Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt genau die Informationen zu bekommen, die Sie für Ihre Entscheidung brauchen: die sogenannte ASK3-Methode. Diese Fragen sind: 

  1. Welche Möglichkeiten habe ich (inklusive Abwarten und Beobachten)?
  2. Was sind die Vorteile und Nachteile jeder dieser Möglichkeiten?
  3. Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Vorteile und Nachteile bei mir auftreten? 

Wenn Sie diese drei Fragen stellen, wird das Gespräch klarer strukturiert und Sie sind anschließend besser informiert. Die gemeinsame Verständigung auf eine Behandlung macht den Therapieverlauf besser und schafft ein gutes Vertrauensverhältnis. Scheuen Sie sich also nicht, nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstehen und nehmen Sie aktiv am Gespräch mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt teil. 

Je strukturierter das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt verläuft, desto besser klappt SDM. Dafür gibt es einen klaren Ablauf: 

SDM in 6 Schritten 

  1. Was ist das Ziel des Gesprächs?
  2. Warum ist Ihre Beteiligung an der Entscheidung wichtig?
  3. Welche Möglichkeiten gibt es und welche Vor- und Nachteile haben sie?
  1. Was erwarten Sie von der Behandlung, welche Bedürfnisse haben Sie?
  2. Entscheidung: Welche Behandlung wird gewählt?
  3. Planung: Wie geht es jetzt weiter?

Wer gut informiert ist und nachfragt, kann besser mitentscheiden. Medizinische Entscheidungshilfen liefern verständliches und verlässliches Wissen, um gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt informiert entscheiden zu können. Sie unterstützen Sie dabei abzuwägen, welche Behandlung am besten zu Ihnen und Ihrer Lebenssituation passt. Dafür bieten sie:  

  • eine neutrale und vollständige Übersicht über alle Behandlungsmöglichkeiten (auch die Möglichkeit, nichts zu tun und abzuwarten)
  • die Darstellung von Vorteilen und Nachteilen jeder Möglichkeit
  • neutrale, aktuelle und wissenschaftlich belegte Informationen aus nachvollziehbaren Quellen und Studien
  • eine verständliche Sprache, in der alle Fachbegriffe erklärt werden
  • ergänzende Infografiken, Videos oder andere anschauliche Formate 

Beispiele seriöser Anbieter von Entscheidungshilfen sind SHARE TO CARE und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). 

Wichtig: Eine Entscheidungshilfe ersetzt nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Sie unterstützt Sie dabei, sich gut vorzubereiten, Prioritäten abzuwägen und gezielte Fragen zu stellen. 

Tipp: Laden Sie sich die drei Fragen (ASK3) für das Arztgespräch herunter. 

Weitere Informationen und Hilfestellungen, wie Sie sich gut auf das ärztliche Gespräch vorbereiten können, finden Sie außerdem hier: 

Checkliste: Fragen für Ihr Arztgespräch 

Klarheit schaffen und gemeinsam entscheiden! 

Ihr individuelles Risiko zu kennen, ist der beste Weg, um gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam zu entscheiden, ob und welche zusätzlichen Behandlungen Sie benötigen, um die bestmögliche Versorgung für Sie sicherzustellen. Auch wenn Sie sich noch nicht vollständig bereit fühlen, sich mit dem Thema Rückfallrisiko auseinanderzusetzen, kann ein offenes Gespräch mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt dabei helfen, Klarheit für die nächsten Schritte zu gewinnen. 

Frau hält Tablet mit geöffneter Checkliste

Wichtige Fragen für Ihr Arztgespräch  

Eine offene und gut vorbereitete Kommunikation hilft Ihnen, aktiv an der Entscheidungsfindung mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt teilzunehmen. Nutzen Sie unsere  praktische  Checklistemit Tipps zur Vorbereitung auf das Gespräch sowie Fragen zu Ihrer Diagnose, zu Ihren Therapiemöglichkeiten, Ihrem persönlichen Rückfallrisiko und zur Nachsorge.  

Wichtige Fragen sind zum Beispiel: 

  • Wie hoch ist mein individuelles Rückfallrisiko nach der Erstbehandlung?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es, um mein Rückfallrisiko zu minimieren?
  • Was kann ich selbst tun, um mein Rückfallrisiko zu senken (z. B. Ernährung, Bewegung, Therapietreue)? 
Geöffnete Checkliste auf einem Bildschirm

Gemeinsam Entscheidungen zu treffen, bedeutet, dass Sie Ihre Fragen und Prioritäten einbringen und Ihr Behandlungsteam sein Fachwissen mit Ihnen teilt. Denn nur, wenn Sie umfassend informiert sind, können Sie Ihre Zukunft aktiv mitgestalten.

Am Anfang mag es ungewohnt sein, selbst mitzuentscheiden. Vielleicht möchten Sie, dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Entscheidung für Sie trifft. Doch niemand kennt Ihr Leben so gut wie Sie selbst. Wenn Sie sich aktiv beteiligen und Ihre Vorstellungen einbringen, finden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt den Weg, der am besten zu Ihnen passt.

Studien zeigen klare Vorteile, wenn Sie sich an der Entscheidung beteiligen:  

  • Sie sind besser über die Behandlungsoptionen informiert und verstehen Ihre Chancen und Risiken besser.
  • Entscheidungshilfen erleichtern es Ihnen, auf Augenhöhe mit Ihren Ärztinnen und Ärzten zu sprechen und gemeinsam zu entscheiden.
  • Sie können Ihre persönlichen Werte und Prioritäten bei der Entscheidung klarer abwägen und stehen stärker hinter der getroffenen Entscheidung.
  • Die Behandlung passt besser zu Ihrem Leben und Sie kommen besser mit ihr klar.
  • Sie sind mit der Behandlung zufriedener und bleiben eher dran. 
Eine ältere Frau mit Brille sitzt nachdenklich auf einer Couch.

Das bedeutet für Sie: Mit SDM können Sie sicherer entscheiden und sind zufriedener mit der Behandlung.

Auch bei frühem Brustkrebs spielt Shared Desision Making (SDM) eine wichtige Rolle.

Weitere hilfreiche Informationen: 

Quellen: 

IQWiG: Zum Ausfüllen: eine Entscheidungshilfe, unter https://www.gesundheitsinformation.de/zum-ausfuellen-eine-entscheidungshilfe.html (aufgerufen am 04.09.2025). 

Krebsinformationsdienst: Diagnose Krebs: Was hilft bei der Behandlungswahl?, unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/diagnose-krebs-was-hilft-bei-der-behandlungswahl (aufgerufen am 04.09.2025). 

SHARE TO CARE: Gemeinsam entscheiden, unter: https://share-to-care.de/ (aufgerufen am 04.09.2025). 

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