Im Berufsleben bleiben trotz Brustkrebs

Beruf und BrustkrebsFrauen, die an Brustkrebs erkranken, gehören noch lange nicht zum „alten Eisen“. Eine Brustkrebserkrankung kann jedoch längere oder wiederholte Ausfallszeiten und verminderte Leistungsfähigkeit im Beruf mit sich bringen. Wollen Sie in Ihrem Beruf weiter arbeiten, bieten Kranken- und Rentenversicherung Unterstützung an.

Anspruch auf Krankengeld wegen derselben Krankheit besteht nur für einen Zeitraum von bis zu 78 Wochen (eineinhalb Jahren). Danach muss die Patientin entweder ins Berufsleben zurückkehren oder Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Rente beantragen. Um in dieser Situation die richtige Entscheidung zu treffen, bieten viele Klinken die Möglichkeit, mit einem Mitarbeiter des Sozialdienstes bereits vor der Entlassung über die Folgen der Erkrankung für das Erwerbsleben zu sprechen:

  • Kann ich meine ursprüngliche Tätigkeit noch ausüben oder nicht?
  • Ist eventuell eine Umschulung nötig?
  • Kann ich in gewohntem Umfang arbeiten oder muss ich meine Arbeitszeit reduzieren?
  • Bin ich finanziell abgesichert?

Anspruch auf berufliche Rehabilitation

Wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können oder keinen Arbeitsplatz finden, an dem auf Ihre gesundheitlichen Probleme Rücksicht genommen wird, haben Sie in der Regel Anspruch auf berufliche Rehabilitation. Diese hat zum Ziel, die Arbeitsfähigkeit der Patientin zu erhalten, wieder herzustellen oder zu verbessern.

Leistungsträger für eine berufliche Rehabilitationsmaßnahme sind insbesondere die gesetzliche Rentenversicherung, die Bundesagentur für Arbeit und die Träger der gesetzlichen Unfallversicherungen. Gemeinsam mit einem Rehabilitationsberater und der Arbeitsagentur oder der Rentenversicherung können gegebenenfalls auch alternative Möglichkeiten zur bisherigen Tätigkeit erörtert werden, wie z. B. eine Umschulung oder Fortbildung.

Stufenweise Wiedereingliederung

Um den Wiedereinstieg für die Patientinnen einfacher zu gestalten, bietet sich das so genannte Hamburger Modell an, das für Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung vorgesehen ist. Mit dem Hamburger Modell können Betroffene nach einer Langzeiterkrankung stufenweise wieder in ihren Beruf einsteigen. Das Hamburger Modell sieht eine langsame Steigerung der Arbeitsleistung von zunächst nur wenigen Stunden pro Tag auf eine Voll- oder Teilzeitbeschäftigung vor. In Abstimmung mit dem Rehabilitationsarzt und dem Arbeitgeber erstellt die Patientin einen Eingliederungsplan. Dieser kann sich – je nach Gesundheitszustand der Patientin – über mehrere Wochen oder Monate erstrecken. Die Patientin erhält in dieser Zeit entweder weiterhin Krankengeld oder bezieht ein Übergangsgeld, je nachdem ob Krankenkasse oder Rentenversicherung der Träger dieser Maßnahme sind. Die Maßnahme kann jederzeit abgebrochen werden.

Teilzeitbeschäftigung

Ist eine Vollzeitbeschäftigung aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, sollten Sie über eine Teilzeitbeschäftigung nachdenken. Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz hat jeder Arbeitnehmer das Recht auf eine Verringerung der vertraglich festgesetzten Arbeitszeit, wenn er seit mindestens sechs Monaten bei der Firma beschäftigt ist und keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen.

Schwerbehinderung

Unter Umständen ist es sinnvoll, schon während der Therapie beim Versorgungsamt einen Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung zu stellen.

Weitere Informationen zum Schwerbehindertenausweis

Arbeitslosengeld und Rente

Verliert eine Brustkrebspatientin ihren Arbeitsplatz und findet sie keine neue Arbeitsstelle, besteht Anspruch auf Arbeitslosengeld. Ist die Patientin zuletzt einer versicherungspflichtigen Tätigkeit nachgegangen und hat sie die Wartezeit von mindesten 60 Monaten erfüllt, besteht in der Regel ein Anspruch auf Rente. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: von Rente auf Zeit über Frühberentung bis Erwerbsminderungs- und Berufsunfähigkeitsrente.

Grundsätzlich gilt jedoch "Reha vor Rente". Leider ist eine Frühberentung manchmal jedoch der einfachere und kürzere Weg als der einer beruflichen Wiedereingliederung. Bevor Sie einen solchen Schritt in Erwägung ziehen, sollten Sie berücksichtigen, dass sich Arbeit auf Ihre Gesundheit und Ihr Leben positiv auswirken kann.

Anlaufstellen für weiterführende Informationen zum Thema "Wiedereinstieg in den Beruf" sind z. B. der Kliniksozialdienst, die Krankenkasse, das Arbeits- oder Versorgungsamt oder der Rentenversicherungsträger.

 

Erstellt am: 03.08.2010; Autor: Michaela Spaeth-Dierl
Letzte Aktualisierung am 05.06.2013; Dr. med. Joachim Sauer

Quellen:
Deutsche Rentenversicherung. Rehabilitation nach Krebserkrankungen. www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/2_Rente_Reha/02_Rehabilitation/02_leistungen/03_reha_nach_krebs/reha_nach_krebs_node.html; abgerufen am 05.06.2013.
Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber. Wegweiser zu Sozialleistungen. www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/040_sozialleistungen_neu.pdf; abgerufen am 05.06.2013.

Foto: George Doyle/Getty Images
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