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Zielgerichtete Brustkrebsbehandlung

Zielgerichtete BrustkrebsbehandlungHeute gibt es innovative Krebsmedikamente, deren Wirkstoffe gezielt in das Wachstum von Krebszellen eingreifen anstatt wie Chemotherapien allgemein die Teilung von Zellen zu hemmen. Chemotherapien wirken damit nicht nur wie erwünscht auf Krebszellen, sondern ziehen immer auch gesunde Zellen in Mitleidenschaft. Damit die unerwünschten Wirkungen nicht überhand nehmen, müssen Menge und Konzentration der eingesetzten Zellgifte bzw. Zytostatika begrenzt bleiben.

Neuartige Krebsbehandlungen dagegen greifen gezielt Strukturen an, die für das unkontrollierte Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen verantwortlich sind. Solche Therapien werden daher als „zielgerichtete Therapien“ - englisch „targeted therapies“ - bezeichnet. Vier Angriffspunkte sind gegenwärtig für die Brustkrebsbehandlung von Bedeutung.

Wann kommen zielgerichtete Therapien zum Einsatz?

Zielgerichtete Therapien haben mittlerweile einen hohen Stellenwert in der Behandlung der fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung. Einer der Wirkstoffe dieser Gruppe, Trastuzumab, wird auch zur Behandlung bei frühem Brustkrebs eingesetzt. Zielgerichtete Therapien können die Ausbreitung des Brustkrebses verzögern oder reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden in der fortgeschrittenen Situation: zielgerichtete Therapien, Anti-Hormonbehandlung oder Chemotherapien.

Gezielte Krebstherapien werden im Allgemeinen mit den klassischen Behandlungsansätzen der Anti-Hormontherapie und/oder Chemotherapie kombiniert.

Angriffspunkt CDK4/6

Bei den Zyklin-abhängigen Kinasen 4 und 6 (CDK4/6) handelt es sich um Enzyme, die für die Steuerung der Zellteilung eine wichtige Rolle spielen. In Hormonrezeptor-positiven Brustkrebszellen ist die Aktivität von CDKs häufig außer Kontrolle geraten, was eine unkontrollierte Zellteilung und dadurch das Wachstum der Krebszellen zur Folge hat.

Da etwa zwei Drittel der Frauen an einem Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs erkranken, kann in diesen Fällen eine CDK4/6-Hemmung zusammen mit einer Anti-Hormonbehandlung erfolgen, sobald die Krankheit voranschreitet.

CDK4/6-Hemmer und Aromatasehemmer wirken auf unterschiedliche Weise: Aromatasehemmer hemmen die Bildung von Östrogen, CDK4/6-Hemmer unterbrechen die Wirkung der beiden Enzyme CDK4 und CDK6. In Folge können sich die Tumorzellen nicht mehr teilen und der Brustkrebs nicht weiter wachsen.

Für die Behandlung von fortgeschrittenem, Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs stehen die beiden Wirkstoffe Ribociclib und Palbociclib zur Verfügung, die in Kombination mit einer Anti-Hormontherapie angewendet werden. Es handelt sich um eine orale Therapie, die einmal täglich eingenommen wird.

Angriffspunkt mTOR

mTOR ist ein Enzymkomplex, der im Zellinneren den Stoffwechsel und das Wachstum von Zellen steuert. In Brustkrebszellen kann die Weiterleitung von Wachstumssignalen über mTOR gesteigert sein. Bei allen Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs, bei denen die Erkrankung voranschreitet kann eine mTOR-Hemmung zusammen mit einer Anti-Hormonbehandlung erfolgen. Dies ist bei etwa zwei Drittel der Brustkrebs-Patientinnen der Fall.

Der Wirkstoff Everolimus, der mTOR gezielt hemmt, kann so bei Frauen mit Hormonrezeptor-positivem, fortgeschrittenem Brustkrebs nach den Wechseljahren gemeinsam mit dem Aromatasehemmer Exemestan eingesetzt werden. Auch diese wirksame Behandlung für Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs hat sich im Alltag bewährt. Es ist eine orale Therapie, die einmal am Tag eingenommen wird.

Angriffspunkt HER2-Rezeptor

Bei etwa 25–30 % der Brustkrebspatientinnen finden sich auf der Oberfläche von Krebszellen zu viele HER2-Rezeptoren. Werden diese durch Botenstoffe aktiviert, tragen sie zu der ungehemmten Vermehrung der Krebszellen bei. Medikamente, die als HER2-Rezeptorhemmer bezeichnet werden, können diese Rezeptoren gezielt blockieren und so das Krebswachstum hemmen. Zu diesen Medikamenten zählen sogenannte Antikörper wie die Wirkstoffe Trastuzumab oder Pertuzumab.

Behandlungen, die gegen den HER2-Rezeptor gerichtet sind, blockieren die Weiterleitung von wachstums- und teilungsfördernden Signalen in das Innere der Brustkrebszelle hinein. Die Signale zur Zellteilung bleiben dadurch aus, das Tumorwachstum stagniert. Wirksam ist eine Therapie mit HER2-Antikörpern nur, wenn der Tumor tatsächlich verstärkt HER2 auf der Oberfläche seiner Zellen ausbildet. Der HER2-Rezeptor kann sowohl an der Außenseite der Zelle als auch innerhalb der Zelle blockiert werden.

Folgende gegen HER2-Rezeptoren gerichtete Wirkstoffe stehen derzeit für die Behandlung zur Verfügung:

Wirkstoff Art des Wirkstoffs Behandlung
Trastuzumab Künstlich hergestellter Antikörper, der an der Außenseite der Zelle an HER2 bindet und so das Andocken der Wachstumsfaktoren an diesen Rezeptor verhindert

Trastuzumab wird in der Regel nach Vorbehandlung oder zusammen mit einer Chemotherapie verabreicht. Trastuzumab kann auch zusammen mit einer Anti-Hormonbehandlung oder mit Lapatinib gegeben werden.

Der Antikörper wird einmal pro Woche oder alle drei Wochen in Form einer Infusion oder als subkutane Injektion verabreicht.

Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) Kombination des Wirkstoffes Trastuzumab (s.o.) mit Emtansin - in Form eines als so genannten Konjugatwirkstoffes. Emtansin (DM 1) ist ein Zytostatikum, d.h. es behindert die Zellteilung und bringt die Tumorzellen zum Absterben.

Der Konjugatwirkstoff kann nach Vorbehandlung mit Trastuzumab und einer taxanhaltigen Chemotherapie verabreicht werden.

Der Konjugatwirkstoff wird alle drei Wochen als Infusion gegeben.

Lapatinib Kleines Molekül, das die Weiterleitung der HER2-Signale nicht außerhalb, sondern innerhalb der Zelle blockiert. Lapatinib zählt aufgrund seines Wirkmechanismus zu den Tyrosinkinase-Hemmern. Der Wirkstoff wird in der Regel erst nach einer Vorbehandlung in Kombination mit einer Chemotherapie, Trastuzumab oder einem Aromatasehemmer (Letrozol) gegeben.
Pertuzumab Neuer Antikörper, der an einer anderen Stelle des HER2-Rezeptors als Trastuzumab bindet. Der Antikörper wird ebenfalls im Rahmen einer Kombinationsbehandlung verabreicht

Angriffspunkt Bildung von Tumorblutgefäßen

Ab einer gewissen Größe benötigen Tumoren und Metastasen eine eigene Blutversorgung durch neu gebildete Blutgefäße. Mediziner sprechen hier von „Angiogenese“. Dabei bilden die Krebszellen Botenstoffe, die an spezielle Rezeptoren (VEGF-Rezeptoren) auf der Oberfläche von Blutgefäßzellen binden. Diese Bindung veranlasst die Zellen sich zu teilen. Dadurch entstehen neue Blutgefäße, die den Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Medikamente, sogenannte VEGF-Hemmer wie beispielweise Bevacizumab, können diese Rezeptoren blockieren und damit verhindern, dass sich neue Blutgefäße bilden. Auf diese Weise erhält der Tumor weniger Sauerstoff und Nährstoffe und „hungert aus“. Bevacizumab kann bei fortgeschrittenem Brustkrebs, d.h. bei metastasierter HER2-negativer Brustkrebserkrankung, zusammen mit einer Chemotherapie eingesetzt werden.

Quellen:

Kommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO). Brustkrebs. Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2012. Zuckschwerdt, München, 2012.
Albert U-S, et al. Patientenratgeber Brustkrebs II. Die fortgeschrittene Erkrankung, Rezidiv und Metastasierung. „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Deutschen Krebshilfe e. V. Berlin, 2011.
http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/moderne-verfahren.php#inhalt16 abgerufen am 05.04.2017.
http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/fortgeschritten.php abgerufen am 05.04.2017.
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