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Zielgerichtete Therapien bei Brustkrebs

Zielgerichtete Brustkrebsbehandlung mit AntikörpernKrebszellen unterscheiden sich von gesunden Körperzellen. Die zunehmende Erforschung dieser Unterschiede macht zielgerichtete Behandlungen möglich. Da Ärztinnen und Ärzte immer besser verstehen, wie sich Krebszellen von gesunden Zellen unterscheiden, wird derzeit eine Reihe von neuen Medikamenten entwickelt. Man bezeichnet sie auch als „ zielgerichtete Therapien “ (engl. targeted therapies "), weil sie gezielter gegen Krebszellen wirken und gesunde Körperzellen schonen.

Krebszellen von gesunden unterscheiden

Zellen altern und werden in regelmäßigen Abständen durch neue Zellen ersetzt. Diese neuen Zellen entstehen durch Zellteilung aus den bestehenden Zellen. Wann und wie oft sich eine gesunde Zelle teilt, ist streng geregelt. Meist kommt der Auftrag zur Zellteilung von außen in Form eines chemischen Botenstoffes. Wie ein Schlüssel ins Schloss passt dieser Botenstoff nur in ganz bestimmte chemische Gebilde (Rezeptoren) auf oder in der Zelle. Verbinden sich Schlüssel und Schloss – Botenstoff und Rezeptor – werden eine ganze Reihe chemischer Reaktionen, eine sogenannte Signalkaskade, angestoßen. Vorstellen kann man sich das wie eine Reihe von Dominosteinen, in der ein fallender Dominostein den nächsten anstößt.

Durch Fehler bei der Zellteilung können Zellen „entarten“. Sie werden zu Krebszellen, die sich unabhängig von den üblichen Regelmechanismen vermehren. Einige entartete Zellen können
z. B. selbst die Botenstoffe bilden, die den Auftrag zur Zellteilung geben. Bei anderen Krebszellen gibt ein fehlerhafter Rezeptor oder ein Bestandteil der Signalkaskade das Signal zur Teilung, ohne dass sie zuvor aktiviert wurden. All diese Angriffspunkte sind mögliche Ziele für neue Medikamente. (2)

Angriffspunkte zielgerichteter Therapien bei Brustkrebs

Es gibt verschiedene Angriffspunkte einer zielgerichteten Therapie bei Brustkrebs: Die folgenden Angriffspunkte werden derzeit vorwiegend zur Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs genutzt.

Bei etwa 25–30 % der Brustkrebspatientinnen finden sich auf der Oberfläche von Krebszellen zu viele HER2-Rezeptoren. (3) Werden diese durch Botenstoffe aktiviert, tragen sie zu der ungehemmten Vermehrung der Krebszellen bei. Neue Medikamente können diese Rezeptoren gezielt blockieren und so das Krebswachstum hemmen. Zu den Medikamenten, die HER2-Rezeptoren ausschalten, zählen sogenannte Antikörper wie die Wirkstoffe Trastuzumab oder Pertuzumab. Beide Medikamente werden zur Behandlung des fortgeschrittenen Brustkrebs eingesetzt. Trastuzumab kann bei höherem Rückfallrisiko auch als ergänzende Behandlung nach der Operation beim frühen Brustkrebs verabreicht werden (4).

In einem weiterentwickelten Konjugationsmedikament ist der Antikörper Trastuzumab (T) mit einem zweiten Wirkstoff (Emtansin: DM1) gekoppelt. Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) wird gegeben, wenn bereits eine Vorbehandlung mit Trastuzumab und einer taxanhaltigen Chemotherapie in der fortgeschrittenen Situation erfolgt ist, und die Erkrankung trotzdem weiter fortschreitet. (4)

Pertuzumab kann bei fortgeschrittenem Brustkrebs mit positivem HER2-Rezeptor eingesetzt werden, wenn zuvor noch keine Anti-HER2-Therapie oder Chemotherapie erfolgt ist (4)

Der Wirkstoff Lapatinib hemmt ebenfalls HER2-Rezeptoren. Allerdings hat er einen anderen Wirkmechanismus als Trastuzumab und wird den Tyrosinkinase-Hemmern zugeordnet. Lapatinib kann ebenfalls bei fortgeschrittenem Brustkrebs eingesetzt werden.(4)

Zielgerichtete Therapie bei fortgeschrittenem Brustkrebs

Tyrosinkinase-Hemmer

Tyrosinkinasen sind Eiweiße (Proteine), die bei der Signalübertragung innerhalb der Zelle eine wichtige Rolle spielen. Medikamente, sogenannte Tyrosinkinase-Hemmer, blockieren zielgerichtet die Signalweiterleitung und können so das Krebswachstum hemmen. Hierzu zählt beispielsweise der Wirkstoff Lapatinib. Er wird bei fortgeschrittenem Brustkrebs vor allem in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Capecitabin angewendet, wenn die Erkrankung trotz einer vorausgegangenen Chemotherapie und einer Behandlung mit Trastuzumab weiter fortschreitet. (4)

mTOR-Hemmer bei Brustkrebs

Bestimmte Eiweiße innerhalb der Zelle sind gleich in mehrere Signalkaskaden eingebunden. Dazu gehört z.B. mTOR (engl.: mammalian target of rapamycin). Es nimmt dadurch eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Wachstum und Entwicklung der Zelle ein. In Brustkrebszellen ist es häufig überaktiv und signalisiert der Zelle dadurch, sie müsse sich ständig teilen. mTOR-Hemmer können die Aktivität dieser Eiweiße blockieren und damit die Vermehrung der Krebszellen hemmen. (5)

Ein Wirkstoff, der mTOR gezielt hemmt (Everolimus), kann bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs nach den Wechseljahren gemeinsam mit dem Aromatase­hemmer Exemestan eingesetzt werden.

Zielgerichtete Therapie bei fortgeschrittenem Brustkrebs

Mit VEGF-Hemmern den Krebs aushungern

Krebszellen sind ebenso wie gesunde Zellen auf die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen über das Blut angewiesen. Wächst ein Tumor oder eine Metastase schnell, reichen die natürlicherweise vorhandenen Blutgefäße schon bald nicht mehr aus. Krebszellen bilden dann Botenstoffe, die an spezielle Rezeptoren (VEGF-Rezeptoren) auf der Oberfläche von Blutgefäßzellen binden. Diese Bindung veranlasst die Zellen sich zu teilen. Dadurch entstehen neue Blutgefäße, die den Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. (2) Medikamente, sogenannte VEGF-Hemmer, können diese Rezeptoren blockieren und damit verhindern, dass sich neue Blutgefäße bilden. Über diesen Weg können sie gezielt die Brustkrebs-Zellen „aushungern“. (2) Bevacizumab ist ein Wirkstoff, der einen Wachstumsfaktor hemmt, der die Gefäßbildung von Zellen steuert. Er wird bei fortgeschrittenem Brustkrebs eingesetzt. (4)

 

Dr. med. Sonja Hermeneit
Aktualisiert von Dr. Heidemarie Seitz

Quellen:

1. Ursula Goldmann-Posch, Rita Rosa Martin: Über-Lebensbuch Brustkrebs, Schattauer Verlag, 5. Auflage, 2012.
2. www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/fortgeschritten.php
3. www.krebsgesellschaft.de/pat_ka_brustkrebs_therapie_molekularbiologische107723.html
4. http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/moderne-verfahren.php#inhalt16 abgerufen am 19.09.2014
5. www.krebsinformation.de/behandlung/moderne-krebstherapien.php
abgerufen am 16.05.2013.

Illustration: © S.Kaulitzki/Fotolia.de
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