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Brustkrebs-Arten – Jeder Brustkrebs ist anders

Wie das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, so ist auch die Erkrankung selbst von Patientin zu Patientin unterschiedlich. Für die Behandlung und für die Prognose ist es wesentlich, die individuellen Eigenschaften des Brusttumors genau zu kennen. Dazu gehören u. a. der Rezeptorstatus und das Stadium, in welchem sich die Erkrankung befindet.

Einteilung von Brustkrebs nach Gewebetyp und Ausbreitung

Brustkrebs kann von unterschiedlichen Gewebetypen der Brustdrüse ausgehen. Die beiden wichtigsten Gewebe sind dabei die Milchgänge und die Drüsenläppchen. Der Typ des Ausgangsgewebes des Tumors beeinflusst, welche weitere Entwicklung die Erkrankung wahrscheinlich nimmt. Darüber hinaus ist für die gewebliche (histologische) Einteilung von Brustkrebs von Bedeutung, ob sich der Tumor noch vollständig innerhalb des Ausgangsgewebes befindet (Carcinoma in situ bzw. nicht-invasives Karzinom) oder ob dessen Grenzen durchbrochen (invasives Karzinom) oder bereits Metastasen abgesiedelt wurden.

Milchgänge und Drüsenläppchen der Brust

Abbildung: Brustkrebs entwickelt sich entweder aus dem Gewebe der Milchgänge oder aus Zellen der Drüsenläppchen (Bild nach: Patrick J. Lynch Creative Commons Attribution 2.5 License) 

Einteilung von Brustkrebs nach Rezeptorstatus

Besonders wichtig hinsichtlich Therapiewahl bei Brustkrebs ist das Vorhandensein bestimmter Antennen (Rezeptoren) für Botenstoffe, die das Wachstum des Krebses beeinflussen. Dazu gehören insbesondere Rezeptoren für Östrogen, Progesteron sowie die Antennen für einen speziellen Wachstumsfaktor, der als HER2 bzw. HER-2/neu bezeichnet wird.

Hormonsensitive Tumore

Wenn Rezeptoren für Östrogen und/oder Progesteron vorhanden sind, ist der Tumor hormonsensitiv und kann mit einer Anti-Hormonbehandlung (z. B. Aromatase­hemmer) behandelt werden.

HER-2-sensitive Tumore

Sind HER-2-Rezeptoren in großer Zahl auf den Tumorzellen anzutreffen, spricht dies für einen eher ungünstigen Verlauf der Erkrankung. Als Therapieoption steht jedoch eine Antikörpertherapie zur Verfügung.

Triple-negativer Tumortyp

Tumorzellen, die weder Rezeptoren für Östrogen, Progesteron sowie für HER-2 besitzen, werden als „triple negativ“ bezeichnet. Patientinnen mit diesem Tumortyp besitzen die ungünstigste Prognose.

Einteilung von Brustkrebs nach Stadien

Die Einteilung der Krebserkrankung in einzelne Stadien, die das Fortschreiten der Erkrankung beschreiben, ist für eine richtige Therapiewahl wichtig.

TNM/pTNM-Klassifikation

TNM ist ein weit verbreitetes Verfahren, um Tumoren einzuteilen. pTNM steht für pathologisch gesicherte Daten, die nach der Operation vorliegen . Bei der pTNM-Klassifikation wird ein „y“ vorgestellt, wenn vor der Operation schon eine Chemotherapie oder Bestrahlung stattgefunden hat, um etwa den Tumor zu verkleinern. Die Klassifizierung hat den Vorteil, dass alle behandelnden Ärzte und Patienten die gleiche Information über das Stadium der Erkrankung haben.

Der Buchstabe T steht für die Ausdehnung des Primärtumors. Je höher die Zahl nach dem T, desto größer ist der Tumor. Das N steht für Nodus (= Knoten). Damit sind die Lymphknoten gemeint. Je höher die Zahl nach dem N, desto weiter ist der Befall der Lymphknoten fortgeschritten. Der dritte Buchstabe der TNM-Klassifikation steht für Metastasen. Gemeint sind hier Fernmetastasen, die weiter entfernte Bereiche des Körpers befallen haben. Auch hier sagt die Höhe der Zahl hinter dem Buchstaben etwas darüber aus, wie weit der Prozess fortgeschritten ist:

TNM-Klassifikation für Mammakarzinome

Ausdehnung des Primärtumors
T0 Kein Tumor in der Brust nachweisbar
Tis Nicht invasiver, d.h. noch nicht in umgebendes Brustgewebe eingewachsener Tumor
T1 mic kleinste Invasion (Mikroinvasion) bis 0,1 cm
T1 Der Tumor misst weniger als 2 cm
T2 Der Tumor ist in der größten Ausdehnung größer als 2 cm, aber kleiner als 5 cm
T3 Die größte Ausdehnung des Tumor beträgt mehr als 5 cm, aber weniger als 10 cm
T4 Der Tumor ist unabhängig von seiner Größe bereits über das Brustgewebe hinaus in Brustwand oder Haut eingewachsen

Lymphknoten
N0 Keine Lymphknoten befallen
N1 1 bis 3 befallene Lymphknoten in der Achselhöhle
N2 4 bis 9 befallene Lymphknoten in der Achselhöhle
N3 > 10 befallene Lymphknoten in der Achselhöhle bzw. dem Schlüsselbein

Fernmetastasen
M0 Keine Fernmetastasen nachweisbar
M1 Fernmetastasen vorhanden

Steht vor dem T ein kleines p, so bedeutet das, dass die Tumorgröße vom Pathologen anhand der feingeweblichen Untersuchung des Operationsmaterials bestimmt wurde.

TNM-Klassen werden gelegentlich zu Stadien zusammengefasst

Brustkrebsstadium
Stadium 0 Tis, N0, M0, d.h. kein Primärtumor nachweisbar
Stadium I T1, N0, M0, d.h. Tumor auf eine Brust beschränkt, in der größten Ausdehnung kleiner als 2 cm
Stadium IIA,IIB T1-T3, N1, M0, d.h. Tumor zwischen 2 cm und 5 cm oder bewegliche axilläre Lymphknotenmetastasen oder Tumor größer als 5 cm ohne Lymphknotenbefall
Stadium IIIA, IIIB T1-T4, N2-N3, M0, d.h. Tumor größer als 5 cm und Lymphknotenbefall oder Tumor mit Ausdehnung bis zur Brustwand oder Haut oder fixierte axilläre Lymphknoten oder Lymphknoten entlang der inneren Brustarterie
Stadium IV jedes T, jedes N, M1, d.h. Vorliegen von Fernmetastasen

Grading gibt Auskunft über Ausreifungsgrad des Tumors

Anhand des entnommenen Brustgewebes können wichtige Informationen gewonnen werden. Je weiter der Ausreifungsgrad der Tumorzellen ist, desto weniger schnell wachsen die Tumoren in der Regel. Den Ausreifungsgrad bestimmt der Pathologe nach der Biopsie. Er nimmt ein sogenanntes Grading vor. Damit unterscheidet er den Ausreifungsgrad der Tumorzellen von gut (G1) über mäßig (G2) bis schlecht ausgereift (G3). Je schlechter ausgereift die Zellen sind, desto intensiver sollte dann die entsprechende Therapie sein, um die weitere Ausbreitung zu bremsen bzw. zu verhindern.

Es gibt zahlreiche weitere spezielle Brustkrebs-Charakteristika, welche derzeit untersucht werden. Erkenntnisse daraus sollen in Zukunft zu noch besseren Behandlungsoptionen bzw. zu einer noch gezielteren Wahl einer bestimmten Behandlung führen.

 

Jan Groh
Aktualisiert von Dr. Heidemarie Seitz

Quellen:

Deutsche Krebsgesellschaft: Patientenleitlinie Ersterkrankung und DCIS, 2009, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/Patientenleitlinie_Brustkrebs_1.pdf abgerufen am 05.04.2017.
Li ChI, et al. Risk of invasive breast carcinoma among women diagnosed with ductal carcinoma in situ and lobular carcinoma in situ, 1988-2001. Cancer 2006; 106: 2104-2112.
Soerjomataram I, et al. An overview of prognostic factors for long-term survivors of breast cancer. Breast Cancer Res Treat 2008; 107: 309-330.
Dudenhausen JW, Schneider HPG, Bastert G. Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Verlag: De Gruyter, 2. Auflage, 2002.
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